DETAILS ZUM PROJEKT

Work and Box Company Taufkirchen

Work and Box Company Taufkirchen
Ort: Taufkirchen, Deutschland
Veröffentlicht 19.10.2007
54% finanziert
Gesamtbewertung:
 
23 Wertungen
Steuerliche Vergünstigungen!
Wir bringen straffällige Jungs in den Arbeitsmarkt. Mit einer ungewöhnlichen Methode und einer viermal so hohen Erfolgsquote wie nach dem Knast. Wir beginnen da, wo andere Projekte aufgehört oder aufgegeben haben. Unsere Arbeit ist Beziehungsarbeit. Wir bringen die Jungs in Kontakt mit sich selbst und darüber wieder in Beziehung mit ihrem Umfeld. Boxen ist bei uns kein Ventil zum Aggressionsabbau, sondern ein von diesen Jungs angenommenes therapeutisches Instrument. In der Work and Box Company stehen sie vor der Herausforderung ihres Lebens: Endstation Knast oder lernen, alte Mauern einzureißen, Vertrauen in sich selbst zu finden und sich für ein gewaltfreies Leben zu entscheiden… Das Nicht-fühlen-können, was im Gegenüber vorgeht, führt zu der Gewalt bei den Übergriffen der Jungs. Dabei sind oder waren 97% von ihnen selbst Opfer schwerer Gewalt geworden. Oft Opfer ihrer engsten Bezugspersonen, wie die eigenen Eltern. Das grenzenlose Vertrauen des Kindes und seine Liebe zu diesen lebenswichtigen Menschen wird durch dieses Trauma zerstört; als Reaktion darauf die eigene Empathiefähigkeit unterdrückt. Eine intensive sozialpädagogische Betreuung, therapeutisches Boxen, die Begleitung zu einem Schulabschluss, erlebnispädagogische Herausforderungen, erste Arbeitserfahrungen in der Schreinerei und in Praktikumsbetrieben der Region sind die Säulen des zwölfmonatigen Projekts. Den Menschen nicht aufgeben, ihn jeden Tag aufs Neue fordern und ihm immer und immer wieder eine neue Chance geben, bis er diese endlich für sich nutzen vermag, das macht unsere Arbeit aus. Wir wollen die Work and Box Company auch an anderen sozialen Brennpunkten in Deutschland aufbauen. Erste Schritte haben wir dazu in Stuttgart und im Ruhrgebiet unternommen. Dafür suchen wir Menschen, die mit uns aktiv werden wollen. Wir suchen Sie mit Ihrer Spende, Ihren Ideen und Ihren Kontakten. www.hand-in.de

WAS BENöTIGT WIRD

Anhängerkupplung gebraucht mit Einbau

Gesamtbedarf: 33,000 °P noch benötigt: 33,000 °P Veröffentlicht am: 09.12.2009
330 Euro.
Fortschritt:
0% finanziert

Akku-Schrauber

Gesamtbedarf: 38.000 °P noch benötigt: 38.000 °P Veröffentlicht am: 09.12.2009
380 Euro.
Fortschritt:
0% finanziert

Digitalkamera

Gesamtbedarf: 45.000 °P noch benötigt: 45.000 °P Veröffentlicht am: 09.12.2009
450 Euro.
Fortschritt:
0% finanziert

Farblaserdrucker

Gesamtbedarf: 65.000 °P noch benötigt: 65.000 °P Veröffentlicht am: 09.12.2009
650 Euro.
Fortschritt:
0% finanziert

40 Boxhandschuhe für Seminare an Schulen

Gesamtbedarf: 100.000 °P noch benötigt: 83.010 °P Veröffentlicht am: 09.12.2009
Ein/e für 25 Euro.
Fortschritt:
16% finanziert

Falzmaschine

Gesamtbedarf: 130.000 °P noch benötigt: 130.000 °P Veröffentlicht am: 09.12.2009
1300 Euro.
Fortschritt:
0% finanziert

Soft-Fußball

Gesamtbedarf: 1.800 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 26.03.2008
18 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Box-Birne

Gesamtbedarf: 10.600 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 26.03.2008
106 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Timer-Konditester

Gesamtbedarf: 10.500 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 26.03.2008
105 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Box-Ausstattung

Gesamtbedarf: 5.200 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 26.03.2008
52 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

2 Schreinerhämmer

Gesamtbedarf: 3.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 26.03.2008
Ein/e für 15 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Kabeltrommel

Gesamtbedarf: 4.500 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 26.03.2008
45 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Stecheisensatz

Gesamtbedarf: 12.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 29.10.2008
120 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Feilen- und Raspelsatz

Gesamtbedarf: 12.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 29.10.2008
120 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Bohrersatz Holz/Stein

Gesamtbedarf: 4.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 29.10.2008
40 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Set Bit-Einsätze mit Halter

Gesamtbedarf: 5.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 29.10.2008
50 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

3 Brecheisen

Gesamtbedarf: 4.200 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 29.10.2008
Ein/e für 14 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Industriestaubsauger

Gesamtbedarf: 36.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 29.10.2008
360 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Geldzähl-Kasse

Gesamtbedarf: 8.500 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 29.10.2008
85 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

60 Teilspenden für Layout-Software

Gesamtbedarf: 150.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 29.10.2008
Ein/e für 25 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

20 Teilspenden für PDF-Software Komplettversion

Gesamtbedarf: 60.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 29.10.2008
Ein/e für 30 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

DVD-Player

Gesamtbedarf: 4.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 29.12.2008
40 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

3 Handhobel

Gesamtbedarf: 3.600 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 29.12.2008
Ein/e für 12 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Feinsäge

Gesamtbedarf: 4.500 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 29.12.2008
45 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Ausstatung für Kanutouren

Gesamtbedarf: 65.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 14.07.2009
650 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

5 Box-Kopfschutze

Gesamtbedarf: 18.500 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 30.07.2009
Ein/e für 37 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Schraubzwingen

Gesamtbedarf: 6.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 30.07.2009
60 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Schraubendrehersatz

Gesamtbedarf: 2.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 30.07.2009
20 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Drucker für Informationsmaterial

Gesamtbedarf: 28.000 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 30.07.2009
280 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Prüfungstrainer Sekundarstufe I. Deutsch

Gesamtbedarf: 900 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 09.12.2009
9 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Entdecken und Verstehen. Basistrainer Geschichte

Gesamtbedarf: 700 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 09.12.2009
7 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!

Falzmaschine

Gesamtbedarf: 100 °P noch benötigt: 0 °P Veröffentlicht am: 14.01.2010
1 Euro.
Fortschritt:
100% finanziert
Vielen Dank für Ihre Spenden!
 

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LESEN SIE üBER DEN PROJEKTVERLAUF

Rezension FRIEDENSSCHLAG Berliner Zeitung

Verfasst am 14.04.2010

Rezension Berliner Zeitung                                                                   14.04.2010

Die tägliche therapeutische Krise

Rupert Voß führt eine Tischlerei - und betreut unter dem Dach seiner Firma bei München jugendliche Intensivtäter. In der Work and Box Company üben sie für ein Leben ohne Gewalt

Frank Junghänel

TAUFKIRCHEN. Im Knast ist es nicht so schlimm, wie man denkt, sagt Andy, der für seine sechzehn Jahre ein bisschen zu viel Lebenserfahrung zu haben scheint. Kein Wunder, dass er ausgerechnet jetzt darauf kommt, beim Holzhacken, da die Schweißflecken unter seinen Achseln langsam das Format von Satteltaschen annehmen. Eine Woche Arrest hat er einmal abgesessen, da brauchte er nur zu warten, dass die Zeit vergeht. Als sie vergangen war, fing alles von vorne an. Was bedeutet, nichts fing an. Er hat die Schule geschwänzt und rumgehangen. Bis er im Supermarkt Tabak geklaut hat und erwischt wurde. Ladendiebstahl im Wert von 6,80 Euro, deshalb steht er auf dem Hof dieser Tischlerei und schwingt am ersten heißen Frühlingstag in Bayern die Axt. Er muss Brennholz hacken, im April, da die Heizperiode nun wohl vorbei ist. Das ist Teil dessen, was hier alle "Die Maßnahme" nennen.

Die Maßnahme, zu der Andy sich nicht ganz freiwillig verpflichtet hat, ist ein einzigartiges Sozialprojekt, das vor sieben Jahren im Münchner Vorort Taufkirchen begonnen wurde. In der Work and Box Company des Tischlereiunternehmers Rupert Voß üben jugendliche Straftäter für ein Leben ohne Straftaten. Ganz oben, unter dem Schrägdach der Schreinerei, die in einem Gewerbegebiet am Rande eines schon lange nicht mehr neuen Neubauviertels liegt, kommen sie täglich zusammen. Sie werden von einer Handvoll Menschen betreut, die jeder Sozialpädagoge, Therapeut, Handwerker, Lehrer und Trainer zugleich ist.

Wie sehr das alles an Kraft und Nerven zehrt, bei den Jugendlichen und den Erwachsen zeigt sehr eindrucksvoll der Dokumentarfilm "Friedensschlag", der am morgigen Donnerstag in die Kinos kommt.

Es geht darum, die Jungen, bisher sind es ausschließlich Jungen, innerhalb eines Jahres zu einem Leben in der Gesellschaft zu befähigen. Für den einen bedeutet das, von den Drogen wegzukommen, für den anderen, die Schule zu beenden. Oder überhaupt früh aufzustehen. Am Ende sollen sie alle einen Ausbildungsplatz finden. Vor allem jedoch müssen sie lernen, Stresssituationen gewaltfrei zu lösen.

An einer Wand im Büro, dort, wo jeden Morgen die Besprechung der Tagesaufgaben stattfindet, hängen siebzehn Aktenblätter mit siebzehn Porträts. Zum Beispiel Andrej, der in U-Haft sitzt, seine Eltern sind aus Russland, der Vater ist verschwunden. Zum Beispiel Ryan, Diebstahl und Drogenbesitz, Vater Amerikaner. Zum Beispiel Dennis, Schulverweigerer, diverse Gerichtsauflagen. Zum Beispiel Giuliano, der wiederholt seinen Lehrer angegriffen hat. Zum Beispiel Daniel, der gerade in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Zum Beispiel Mario, der 15 000 Euro Schmerzensgeld zahlen muss, weil er einen Mann krankenhausreif geschlagen hat. Zum Beispiel Martin, der seinen Stiefvater mit Füßen tritt.

Zum Beispiel Andy. Andy ist seit Oktober dabei. Immer im Herbst beginnt ein neuer Kurs, wenn man es so nennen will. Im Schnitt nehmen fünfzehn Jugendliche das Jahr in Angriff. Mancher springt wieder ab, andere kommen dazu. Andy erzählt, dass ihn seine Mutter hergebracht hat, auf Druck des Jugendamtes. Niemand wusste etwas mit ihm anzufangen. Er sagt das mit leiser Stimme, die in einem merkwürdigen Kontrast zu seinem Körper steht. Andy ist nicht nur groß, sondern auch etwas speckig um die Hüften. Seine lockigen Haare hat er zu einem Zopf gebunden. Er trägt ein schwarzes T-Shirt und schwarze Jeans und sieht aus wie jemand, der sich wenig bewegt und selten an die Luft kommt, also ganz normal.

 Scheiben aus Panzerglas

Als er zwölf war, ist er von zu Hause abgehauen. Er wollte zu seinem Vater. Die Eltern haben sich getrennt, als er klein war. Der Vater, so hat ihm die Mutter das erklärt, sei untergetaucht. Eigentlich habe er immer ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter gehabt, sagt Andy. Aber dann gab es irgendwie Probleme. Er zuckt mit den die Schulter. "Weiß auch nicht." Zunächst kam er in eine Auffangstelle für Jugendliche, dann ins Heim, dann in ein anderes Heim. In vier Jahren hat er neun Heime kennengelernt. Und die Heime ihn. Andy erzählt, er habe öfter Wutausbrüche gekriegt und dann alles kaputt geschlagen. Er nennt den korrekten Begriff dafür, Gewalt gegen Gegenstände, und klingt jetzt wie sein eigener Anwalt.

In Wahrheit richtete sich diese Gewalt wohl eher gegen ihn selbst. Als er eine Bushaltestelle zertrümmert hat, wurden ihm vom Jugendgericht vierzig Sozialstunden auferlegt - "im Stadion Kippen sammeln, Drecksarbeit, die keiner machen will". Er hat sie nicht gemacht und kam deshalb in den Jugendarrest.

Danach ist er ein Jahr lang aus seinem Leben ausgestiegen. "Ich wusste nicht, wo ich anfangen soll", sagt er. Dann kam die Geschichte mit dem Ladendiebstahl. Die Company ist seine Chance, einen Anfang zu finden, vielleicht die letzte.

So sieht das aus, wenn die Jungs ankommen, sagt Jürgen Zenkel. "Sie hauen, klauen und kiffen." Er arbeitet seit fünf Jahren als Sozialpädagoge in dem Projekt, seit er selber einen Sohn hat. Zenkel hatte es zuvor schon einmal probiert, konnte aber damals kein Gefühl für die Jungen entwickeln, sagt er. "Man muss sehr viel Vaterenergie mitbringen."

Jürgen Zenkel ist der Vater, den die meisten hier nie hatten. Mit seiner hohen Stirn wirkt er älter als zweiundvierzig, er ist überall rundlich, nur seine Brille ist eckig. Seine Konstitution hindert ihn allerdings nicht, beim Fußballspiel zu kämpfen, bis ihm fast der Kopf platzt. Er ist es, der die Jungs mit "Du Arsch" anbrüllt. "Ich stelle Forderungen", sagt er. "Wir glauben an die Kraft der Ordnung." Er ist es aber auch, der sie später in den Arm nimmt.

Die Jungen müssen sich nicht bedingungslos unterordnen, wie in den sogenannten Boot Camps nach amerikanischem Vorbild, in denen die Verbindung von Arbeit und Boxkampf der absoluten Disziplinierung dient, wo jeder Regelverstoß mit fünfzig Liegestützen geahndet wird. "Bei uns dürfen sie ausrasten", sagt Zenkel. Sie sollen es sogar.

Sie sollen toben, schreien und fluchen. Sie sollen die Wände hochgehen, im wahrsten Sinne des Wortes. Als Rupert Voß die Dachetage der Firma umbauen ließ, hat er alles bedacht. Die Türen sind aus Stahl, die Fenster zum Büro aus Panzerglas, die Wände aus Massivholz.

"Wir produzieren hier jeden Tag für jeden der Jungs eine Krise", sagt Jürgen Zenkel. Das lässt sich ganz leicht machen. Ein wenig Deutschunterricht, ein Arbeitseinsatz in der Tischlerei oder auch nur das Schreiben einer Bewerbung, meistens reicht das schon, die Jungen ausrasten zu lassen. "Und dann zeigen wir ihnen, dass wir für sie da sind, sie mit ihrem Problem nicht allein lassen. Nur so gelingt es, eine Beziehung herzustellen. Wenn Beziehungen möglich sind, ist auch alles andere möglich." Er will den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen.

Das heißt einerseits, dass sie zurückschreien dürfen und anderseits, dass er mit zufasst, wenn einer zum Holzhacken eingeteilt ist. Die sechs Mitarbeiter der Company, zu denen seit kurzem auch zwei Frauen gehören, begleiten die Jungen zu Gerichtsterminen, sie besuchen sie im Arrest. Sie kümmern sich um Praktika bei Unternehmen in der Gegend, sie organisieren Ausbildungsverträge, sie sprechen mit Lehrern und Lehrmeistern. Wenn morgens einer fehlt, holen sie ihn von zu Hause ab. Sie machen alles, was sonst Eltern tun. Jürgen Zenkel hat dafür ein Wort erfunden, er nennt das Nachbeelterung.

Manchmal arbeiten sie auch wie Privatdetektive. Am Tag vor seiner Holzhackeinheit hat Andy zum ersten Mal seit Jahren seinen Vater getroffen. Um ihn ausfindig zu machen, benötigten Zenkels Kollegen regelrecht Spürsinn. Der Aufwand hat sich gelohnt. "Ich habe ihn gefragt, warum er damals von uns weg ist", sagt Andy. "Bisher kannte ich nur die Version meiner Mutter." Am Ende hätten sie beide geheult.

Im Grunde ist die Work and Box Company eine Intensivstation für Intensivtäter. Wie jede Intensivbetreuung hat auch diese ihren Preis. 18 000 Euro kostet die Betreuung pro Jahr. Finanziert wird das mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie der Jugendämter der Stadt München und des Landkreises. Ein Platz im Gefängnis würde jährlich 36 000 Euro kosten. Rupert Voß rechnet es vor. Als Betriebswirt kennt er die Wirkung exakter Zahlen. Die Erfolgsquote von achtzig Prozent spricht für sein Projekt. Von den 58 Teilnehmern der Jahre 2005 bis 2008 seien nach jetzigem Stand 47 nicht rückfällig geworden. In vergleichbaren Einrichtungen liege die Quote bei etwa fünfzig Prozent.

"Damit wir uns verstehen", sagt Rupert Voß, vierundvierzig Jahre alt und Vater von sechs Kindern, "die meisten, die zu uns kommen, sind keine kleinen Diebe, sondern richtig heftige Jungs. Die beiden, die Dominik Brunner erschlagen haben, hätten in unser Profil gepasst." Als vor einem halben Jahr der Geschäftsmann Dominik Brunner an einer Münchner S-Bahnstation von zwei Jugendlichen zu Tode geprügelt wurde, war das ganze Land geschockt. Woher kommt diese Brutalität? Wie kann man dieser emotionalen Verwahrlosung begegnen?

Den Tischlermeister Rupert Voß beschäftigen solche Fragen, seit er es in seinem Betrieb immer wieder mit Lehrlingen zu tun bekam, die nicht nur schwierig waren, sondern die das Gefühl für sich und andere völlig verloren hatten. "So verschieden sie sind, allen gemeinsam ist eine schwere innere Verletzung. Sie führt zu den nach außen gerichteten Aggressionen", sagt Voß. Das hat er schon oft so gesagt, er betet es herunter, wenn er um Fördermittel oder Spenden wirbt. Mancher hört das nicht gern. Sollen hier Täter zu Opfern erklärt werden? Es ist eine heikle Sache, zumal dann, wenn etwas Furchtbares passiert ist, Täter nicht einfach nur zu bestrafen, sondern sie mit ihren eigenen Nöten ernst zu nehmen, diese Nöte überhaupt zur Sprache zu bringen. "Es geht mir nicht darum, ihre Taten zu entschuldigen", sagt Rupert Voß. "Aber wenn wir die Jungen erreichen wollen, müssen wir zum Kern ihrer Persönlichkeit vordringen" Also dorthin, wo das Herz schlägt.

Sechsmal Arrest, leider

In der Mitte des Obergeschosses, das in weißblau gehalten ist, befindet sich der Boxring. Mit dem Boxen fängt alles an. Angeleitet wird die Übung von Werner Makella, einem hageren Mittvierziger, der nicht nur Kampfsportler ist, sondern auch Familientherapeut. Er betrachtet das Boxen als Teil der Anamnese. "Zuerst erstellen wir ein Geniogramm" sagt er. "Wir recherchieren die familiäre Situation. Meistens wird dann schon klar, wo das Problem liegt."

Dann geht es in den Ring, oft schon am ersten Tag. Besonders Gewalttäter würden es nicht begreifen, warum sie nun gerade boxen sollen, sagt Werner Makella "Aber beim Boxen bekomme ich sofort Kontakt zu ihnen. Ich teste ihre Frustrationstoleranz, packe sie an ihrer Ehre, oder bei dem, was sie dafür halten. Ich spüre, wie sie sich schützen, wie sie auf Treffer reagieren. Zwischen den Seilen sind die Jungs Täter und Opfer in einer Person."

Wenn Makella von der Arbeit im Boxring spricht, geht es ihm nicht nur um das Schicksal seiner Jungen. "Wir haben die Pflicht, erfolgreich zu sein", sagt er. "Jeden, den wir verlieren, verlieren wir womöglich für immer. Und die Gewalt in der Gesellschaft wächst von unten nach."

Dieses Gewaltpotenzial verkörperte eine Zeit lang auch Eftal, der heute zweiundzwanzig Jahre alt ist. "Ich war insgesamt sechsmal im Jugendarrest, leider", sagt er, "hauptsächlich Körperverletzung." Einmal hat er einen Gast vor der Disko fast totgeschlagen. Eftal, ein schlanker Junge, der sich nie von seiner Wollmütze trennt, ist in München geboren, seine Eltern sind in den Achtzigerjahren aus dem türkischen Izmir nach Deutschland gekommen. Als vor drei Jahren der Dokumentarfilm "Friedensschlag" gedreht wurde, spielte Eftal eine Hauptrolle, ohne eine Rolle zu spielen. Es war sein Leben. In einer Szene fasst er dieses Leben so zusammen: "Ich kann nur soviel sagen, und ich scheiß' auch auf den Rest, ich komm einfach nicht mehr klar mit der ganzen Situation. Ich weiß, ich bin kurz vorm Ausflippen. Das war's."

Heute sagt Eftal: "Peinlich, wenn man sich so sieht." Er ist an diesem Tag zur Work and Box Company gekommen - und dafür eine Stunde durch München gefahren - weil er mit Jürgen Zenkel etwas besprechen möchte. Es kommt öfter vor, dass Ehemalige vorbeischauen. Was Eftal will, möchte er nicht sagen. Es scheint wichtig zu sein, er wirkt bedrückt. Im Film ist er so etwas wie der positive Held. Er muss nicht in den Knast zurück und er findet eine Lehrstelle bei Rewe. Dann geht das Licht an, der Film ist zu Ende.

Aber das Leben ging für Eftal ja weiter. Er hat die Lehre abgebrochen, weil er mit den Leuten dort nicht klargekommen ist. Dann versuchte er es als Fußbodenleger, aber er brach sich die Hand. Jetzt jobbt er als Parkettleger und hat für September eine Ausbildung in Aussicht. Irgendwie geht es immer weiter. Er sagt, "man kann sich nicht von heute auf morgen ändern. Man muss Stufe für Stufe nehmen." Der wichtigste Unterschied zu früher? "Es ist eine Sache im Kopf", sagt Eftal. Und natürlich seine Freundin, sie ist Verkäuferin in einer Bäckerei.

Rupert Voß ist jetzt viel unterwegs. Er reist mit dem Film durch das Land, um für sein Konzept zu werben. Seine bisherigen Versuche, in anderen Städten derartige Projekte aufzubauen sind sämtlich gescheitert. Der soziale Markt ist aufgeteilt, für unorthodoxe Methoden gibt es kein Geld. Auch in Berlin ist er abgeblitzt, das war im Jahr 2006. In der Senatsverwaltung sah man "keinen regionalen Handlungsbedarf", wie ein Aktenvermerk des zuständigen Mitarbeiters belegt.

Rupert Voß macht weiter. Er ist von der Idee beseelt, dass es eine Chance gibt, den Zirkel der Gewalt zu durchbrechen. Woher seine Zuversicht rührt? Er hat es immerhin selbst geschafft. Voß erzählt, dass er als Kind regelmäßig von Vater und Bruder verprügelt worden sei. Als er erwachsen war, wollte er nur eins, dass das mit den Schlägen aufhört.

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DIE PUNKTE-SPENDER

  • anonyme(r) PAYBACK Spender
    1 anonyme(r) PAYBACK Spender
  • anonyme(r) betterplace Spender
    22 anonyme(r) betterplace Spender
  • Meinrad Berghofer
    Meinrad Berghofer
  • Beate Wedler
    Beate Wedler
  • Antje Schmidt
    Antje Schmidt